09.02.2026

Städtebaulicher Entwurf für das Areal "Altes Gaswerk" in Karlsruhe

Im Kontext der Energiewende haben die Stadtwerke Karlsruhe einen Wettbewerb zur gestalterischen Konzeption eines neuen Fernwärmespeichers sowie zur Entwicklung eines städtebaulichen Gesamtkonzepts für den ehemaligen Standort des Gaswerks ausgelobt. Unser Beitrag „Quartier Altes Gaswerk“ verfolgt die schrittweise, niederschwellige Transformation des früheren Betriebsgeländes zu einem neuen, gut vernetzten Quartier. Dieses orientiert sich städtebaulich am Alten Schlachthof und bietet zugleich Raum für Forschung, Lehre, Kultur und Kreativwirtschaft. Durch eine behutsame Nachverdichtung der denkmalgeschützten Bestandsgebäude, den Erhalt bestehender Grünflächen sowie die Einbindung des angrenzenden Otto-Dullenkopf-Parks werden ungenutzte städtebauliche Potenziale aktiviert. Das bislang abgeschlossene Areal wird vollständig geöffnet und eng mit Park, Schlachthof, Messplatz und Durlacher Allee verknüpft. Zentrales Element ist eine neue fußläufige Ost-West-Verbindung, die  „Eventspange“, ein Boulevard mit hoher Aufenthaltsqualität und öffentlichen Nutzungen. Der neue 40 m hohe Fernwärmespeicher stellt den Endpunkt dieser Achse dar und dient als identitätsstiftender Hochpunkt. Der Entwurf verbindet die sanierten Bestandsgebäude mit maßvollen Neubauten für Büros, Forschung, Lehre, Start-ups, Ateliers, Gastronomie sowie ein Boardinghaus. Öffentlich genutzte Erdgeschosszonen sorgen für eine ganztägige Belebung des Quartiers. Der ruhende Verkehr wird gebündelt, das Quartier bleibt verkehrsberuhigt und fußgängerfreundlich. Ein zentrales Leitmotiv ist die starke Durchgrünung: Bestehende Bäume und Freiräume bleiben erhalten, neue Begrünung, verschattete Fassaden mit PV-Modulen sowie ein einheitliches Fassadenmotiv aus vertikalen Holzlamellen verbinden Alt- und Neubauten zu einem zusammenhängenden, nachhaltigen Quartier. Durch seine zentrale Position soll der Wärmespeicher mit Verteilerzentrale weitaus mehr als eine rein technische Funktion übernehmen. Er soll als prägnante Landmarke, stadträumlicher Abschluss des Otto-Dullenkopf-Parks und weithin sichtbares Symbol für die Konversion von „Altem Gaswerk“ und „Altem Schlachthof“ verstanden werden. Speicher und Verteilerzentrale bilden mit einer gemeinsamen, geschwungenen Fassade eine dynamische Großform, die auf die hohe Reisegeschwindigkeit des benachbarten Bahn- und Autoverkehrs reagiert. Die vertikalen Holzlamellen wirken als Filter zwischen Quartier und Verkehrsachsen, erzeugen Tiefe und schaffen einen hohen Wiedererkennungswert. Die Lage am Verkehrsknotenpunkt inszeniert den Speicher zugleich als Wegweiser und Eingangstor zum neuen Quartier.

Städtebaulicher Entwurf für das Areal "Altes Gaswerk" in Karlsruhe