Ehemaliges Versuchs- kraftwerk von Egon Eiermann
In den vergangenen Wochen haben wir eine umfassende Machbarkeitsstudie für ein denkmalgeschütztes Gebäude auf dem Universitätscampus des KIT in Karlsruhe erarbeitet. Der Gebäudekomplex wird als zentrale Einrichtungen für Lehre und Forschung vom Institut für Thermische Strömungsmaschinen (ITS) sowie vom Institut für Technische Thermodynamik (ITT) genutzt. Neben hochspezialisierten Forschungsarbeiten finden hier auch Vorlesungen und Seminare statt. Entsprechend hoch sind die funktionalen und technischen Anforderungen an die Gebäude.
Architektur von Rang: Egon Eiermanns Nachkriegsmoderne
Der Komplex wurde von Egon Eiermann entworfen, einem der bedeutendsten Vertreter der deutschen Nachkriegsmoderne und ehemaligen Architekturprofessor am KIT. Charakteristisch für seine Architektur ist die konstruktive Klarheit: eine präzise Formensprache, ehrliche Materialität und der Verzicht auf dekorative Elemente zugunsten technischer Innovation und struktureller Logik.
Der Ursprungsbau entstand Mitte der 1950er-Jahre. In den 1970er-Jahren wurde die Anlage nach Osten erweitert, zwischen 1986 und 1994 folgte eine Erweiterung nach Westen. Seit 1995 sind sämtliche Bauabschnitte als Kulturdenkmal im Denkmalbuch Baden-Württemberg eingetragen – eine Auszeichnung, die zugleich besondere Verantwortung bedeutet.
Analyse des Bestands – Grundlage für nachhaltige Entscheidungen
Im Rahmen unserer Studie haben wir den Gebäudekomplex umfassend analysiert. Gemeinsam mit Fachplanerinnen und Fachplanern unterschiedlicher Disziplinen untersuchten wir die bauliche Substanz sowie sämtliche energierelevanten Aspekte hinsichtlich Funktionalität, Dauerhaftigkeit und Zukunftsfähigkeit.
Neben dem baulichen Zustand flossen komplexe Rahmenbedingungen in die Bewertung ein: baurechtliche Vorgaben, Brandschutz, Barrierefreiheit, Raumkomfort, energetische Anforderungen sowie die betrieblichen und strategischen Interessen des KIT als Eigentümer und Nutzer.
Die Analyse zeigte sowohl substanzielle Mängel als auch funktionale Defizite im Hinblick auf die heutige Nutzung. Auf dieser Basis entwickelten wir differenzierte Sanierungsvarianten mit dem Ziel, das Ensemble technisch, energetisch und funktional auf den aktuellen Stand zu bringen.
Denkmalschutz und Innovation im Einklang
Eine zentrale Herausforderung besteht in der Verbindung von Denkmalpflege und zeitgemäßer Bau- und Energietechnik. Unser Ansatz: den architektonischen Charakter und die gestalterische Qualität des Eiermann-Baus zu bewahren und gleichzeitig zukunftsorientierte Lösungen zu integrieren.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der energetischen Sanierung. Wir empfehlen abgestimmte Maßnahmenpakete zur effizienten Ressourcennutzung – von baulichen Eingriffen wie einer verbesserten Dachdämmung oder der Ausbildung klimatischer Pufferzonen zur sommerlichen Temperaturregulierung bis hin zu energieeffizienten Beleuchtungssystemen. Ziel ist es, Energieverbrauch und Betriebskosten nachhaltig zu reduzieren, ohne die denkmalgeschützte Substanz zu beeinträchtigen.
Perspektive: Leistungsfähige Forschungsinfrastruktur sichern
Unser Anspruch ist es, die Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung, aktuelle energetische Standards und die Belange des Denkmalschutzes in ein wirtschaftlich, nachhaltig und gestalterisch überzeugendes Gesamtkonzept zu überführen.
Mit der Machbarkeitsstudie schaffen wir die fundierte Entscheidungsgrundlage für die zukünftige Entwicklung dieses architektonischen Klassikers. So kann der Gebäudekomplex auch in den kommenden Jahrzehnten als leistungsfähige Forschungsinfrastruktur am KIT dienen – im Spannungsfeld zwischen Geschichte und Innovation.